Eliminate-Reduce-Raise-Create (ERRC) Methode

Dieser Text wurde mit Hilfe von KI erstellt.

Was ist es?

Analyse- und Innovationswerkzeug aus dem "Blue Ocean Strategy"-Ansatz von W. Chan Kim und Renée Mauborgne (INSEAD, Buch "Blue Ocean Strategy", 2005). Auch bekannt als "Four Actions Framework". Ziel: sich aus einem umkämpften Markt ("Red Ocean") lösen und einen neuen, wenig umkämpften Marktraum ("Blue Ocean") schaffen, indem die Werttreiber der Branche radikal neu gemischt werden. Vier Leitfragen:

  • Eliminate (Eliminieren): Welche Branchenfaktoren, die als selbstverständlich gelten, können komplett gestrichen werden?

  • Reduce (Reduzieren): Welche Faktoren sollten deutlich unter Branchenstandard gesenkt werden?

  • Raise (Erhöhen): Welche Faktoren sollten deutlich über Branchenstandard angehoben werden?

  • Create (Erschaffen): Welche Faktoren, die die Branche bisher nie angeboten hat, sollten neu geschaffen werden?

Wird meist zusammen mit der Strategy Canvas (Wertkurve im Vergleich zum Wettbewerb) visualisiert.

Zielgruppe

  • Strategieverantwortliche/Geschäftsführung, die eine Differenzierungs- oder Repositionierungsentscheidung treffen wollen

  • Unternehmen in reifen, stark umkämpften Märkten mit sinkenden Margen ("Red Ocean"-Situation)

  • Teams, die eine bestehende Produkt-/Dienstleistungsstruktur grundlegend hinterfragen wollen, statt nur inkrementell zu optimieren

  • Weniger geeignet für: sehr frühe Startups ohne bestehenden Markt-/Wettbewerbsvergleich (Canvas braucht Referenzpunkte), Unternehmen, die nur kleinere taktische Produktverbesserungen suchen

Vorteile

  • Einfache, visuell eingängige Vier-Felder-Logik – leicht in Workshops mit gemischten Teams (Produkt, Marketing, Vertrieb) anwendbar

  • Zwingt explizit zum Weglassen (Eliminate/Reduce), nicht nur zum Hinzufügen – verhindert das typische "immer mehr Features"-Denken

  • Kombiniert Kostenseite (Eliminate/Reduce senken Kosten) und Wertseite (Raise/Create steigern Nutzen) in einem Werkzeug – Kernidee der "Wert-Innovation"

  • Sehr gut geeignet, um bestehende Branchenannahmen sichtbar und diskutierbar zu machen

  • Breite Praxisverbreitung und viele dokumentierte Fallbeispiele (u. a. Cirque du Soleil, Southwest Airlines, Yellow Tail Wein)

Nachteile / Risiken

  • Liefert keine Garantie für Marktreaktion – die vier Fragen sind ein Denkraster, keine Validierungsmethode; ob Kunden die neue Wertkurve honorieren, muss separat getestet werden

  • Erfordert fundierte Branchen-/Wettbewerbskenntnis, um die Ausgangs-Wertkurve überhaupt korrekt zu zeichnen – bei unklarer Datenlage bleibt die Übung spekulativ

  • Radikales Weglassen etablierter Faktoren (Eliminate) ist organisatorisch oft schwer durchsetzbar, v. a. wenn interne Stakeholder an diesen Faktoren hängen (Vertrieb, langjährige Kunden)

  • Fokus auf "neuen Marktraum schaffen" passt nicht zu jeder Unternehmenssituation – nicht jede Branche/jedes Geschäftsmodell erlaubt eine echte Blue-Ocean-Bewegung

  • Erfolgsbeispiele sind oft nachträglich rationalisiert (Survivorship Bias) – für jede erfolgreiche ERRC-Neuausrichtung gibt es weniger dokumentierte gescheiterte Versuche

Alternativen / ergänzende Frameworks

Ansatz

Ausrichtung

Strategy Canvas (selbst Teil von Blue Ocean Strategy)

Visualisiert die Wertkurve vor/nach ERRC im Wettbewerbsvergleich

Jobs-to-be-Done

Liefert die Kundenbedürfnis-Grundlage, auf der ERRC-Entscheidungen aufbauen sollten

Business Model Canvas

Breiterer strategischer Rahmen, nicht spezifisch auf Wertkurven-Repositionierung fokussiert

Kano-Modell

Bewertet Einzelmerkmale nach Zufriedenheitswirkung, ohne explizites "Eliminieren"-Prinzip

Core Value Differentiation / UVP-Ansätze

Fokus auf Differenzierung generell, ohne die spezifische Kosten-/Nutzen-Vierfelder-Logik

Design Thinking

Eher lösungsoffener, nutzerzentrierter Ideations-Prozess statt strukturierter Branchen-Analyse

Sonstiges wichtig für die Entscheidung

  • ERRC entfaltet die größte Wirkung, wenn es zusammen mit der Strategy Canvas angewendet wird: erst bestehende Wertkurve zeichnen, dann mit den vier Fragen eine neue Kurve ableiten

  • Kim und Mauborgne betonen, dass echte Blue-Ocean-Strategien gleichzeitig Differenzierung und niedrige Kosten anstreben ("Wert-Innovation") – nicht das klassische Entweder-oder aus Porters Wettbewerbsstrategien

  • Workshop-Tipp aus der Praxis: Eliminate/Reduce zuerst durchdenken (oft unbequemer, aber wirkungsvoller für Kostenstruktur), erst danach Raise/Create diskutieren, um nicht nur in "mehr ist besser" zu verfallen

  • Ergebnis sollte immer mit echter Kundenvalidierung (Interviews, Prototypen, Tests) abgesichert werden, bevor größere Ressourcen investiert werden

Fazit für Entscheider

Sehr gut geeignet als Workshop-Werkzeug, um in gesättigten Märkten eine grundlegend neue Positionierung zu erarbeiten und dabei explizit auch Kosten zu senken statt nur Leistung zu erhöhen. Sollte mit der Strategy Canvas kombiniert und die daraus entstehenden Hypothesen konsequent mit echten Kunden validiert werden – die vier Fragen liefern gute Denkanstöße, aber keinen Beweis für Markterfolg.